Goldjungs
Cyrill Koller und Ian Hofer holen an der Berufsweltmeisterschaft die Goldmedaille.
Das Gewerbemuseum in Winterthur ist eines der ältesten Museen des Kantons Zürich. Die Direktorin, Susanna Kumschick, blickt zurück.
Museum Das Büro von Susanna Kumschick, der Direktorin ist ein Museum im Kleinformat. An der Wand wurde eine arabische Kalligrafie angebracht, eine Tonskulptur steht auf einem Stapel Kunstmagazinen. Es sei kein repräsentatives Büro findet Kumschick. Sie erzählt, dass das heutige Gewerbemuseum einmal eine Mädchenschule war und dass es im Leben manchmal etwas Glamour braucht.
Das Gewerbemuseum wurde 1874 gegründet und 1875 eröffnet, was war das für eine Zeit?
Susanna Kumschick: Dies war die Zeit der Industrialisierung, Winterthur spielte dabei eine wichtige Rolle.
Das Gewerbemuseum ist eines der ältesten Museen in Winterthur und im Kanton, wie viel Pioniergeist bewiesen die Gründer?
Es lässt sich sagen, dass die Gründer, es waren ausschliesslich Männer, am Puls der Zeit waren, als sie das neuartige Museum gründeten.
Welche Idee steckte dahinter?
Das Vorbild war das 1852 gegründete South Kensington Museum in London, das heute Victoria and Albert Museum heisst. Ein völlig neuer Typus Museum, der sich vom Typ Kunstmuseum unterscheidet und in vielen europäischen Städten wie Paris, Wien oder Berlin Nachahmung fand. Das Museum wurde mit dem Ziel gegründet, die modernsten industriellen Produktionstechniken und Kunsthandwerk zu zeigen, aber auch schönes Design und die richtige Gestaltung.
Gibt es eine richtige Gestaltung?
Heute sehen wir das nicht mehr so, aber damals gab es solche Ansprüche. Möbeldesign hatte eine grosse Bedeutung. In den 1950er-Jahren gab es im Gewerbemuseum sogar eine Wohnberatung, die bei der Einrichtung von Wohnungen half.
Füllt das Museum mit dem Fokus auf das Spektrum zwischen Handwerk und Industrie auch heute noch eine Lücke?
Auf jeden Fall! Das Gewerbemuseum Winterthur ist überzeugt, dass Gestaltung und Design wichtige gesellschaftliche Fragen aufgreifen und zu unerwarteten Lösungen beitragen.
Was fasziniert Sie am Museum?
Es ist die Breite der Themen, die wir abbilden und die Nähe zur Bildung. Wir sehen uns als inspirierenden Begegnungsort für Design, Kunst und Gesellschaft mit nationaler und internationaler Ausstrahlung.
Wo verläuft die Grenze zwischen Kunsthandwerk zur Kunst?
Es geht nicht um die Grenze, sondern um die interessanten Überschneidungen, zum Beispiel bei Material und Technik. Vor allem die junge Generation interessiert sich dafür.
Was waren die Stationen des Museums im Lauf der Geschichte?
Sein erstes Domizil fand das Gewerbemuseum Winterthur 1875 im mittlerweile abgerissenen alten Kornhaus beim Untertor. 1879 zog es ins Technikum um, nahe an der Bildung. 1928 zügelte es in das ehemalige Mädchenschulhaus am Kirchplatz, wo es sich bis heute befindet.
Das Museum hat zwei Weltkriege erlebt. Wie ist es ihm ergangen?
Die Geschichte während dieser Zeit ist nicht gross dokumentiert, wir wissen aber, dass in beiden Weltkriegen das Geld knapp wurde und deshalb die Sammlungstätigkeit vorübergehend eingestellt wurde.
Wie ging es weiter?
Danach wurde die Museumstätigkeit wieder aufgenommen, die Sammlung aber nicht mehr erweitert. 1999 fand eine umfassende Renovierung und Neuausrichtung statt. Ein Meilenstein war 2009 die Einrichtung des Material-Labors.
Was hat sich beim Ausstellungsmachen von damals bis heute verändert?
Früher wurde mehr gesammelt als heute. Der Anspruch an die Gestaltung von Ausstellungen ist höher geworden. Wir erreichen heute zudem mit unserem grösseren Rahmenprogramm und Vermittlungsangebot ein breiteres Publikum. Und unsere Themen sind sicher gesellschaftlich relevanter geworden. Dabei steht unter anderem die Nachhaltigkeit im Fokus.
Was ist gleichgeblieben?
Wir stehen im engen Kontakt mit Bildungs- und Forschungsinstitutionen und wollen unser Publikum nach wie vor erreichen: ein Museum lebt von seinem Publikum!
Es gibt ein Jubiläumsprogramm mit Open Doors, warum lohnt es sich, vorbeizukommen?
Wir wollten an erster Stelle das Museum fürs Publikum öffnen. Es ist ein grosses Rahmenprogamm mit Workshops geplant. Auch ich werde eine Führung durchs Haus anbieten, die hinter die Kulissen führt. Zudem möchten wir von unserem Publikum erfahren, was es sich von der Zukunft des Museums wünscht.
Die neue Ausstellung ab Ende November heisst « Glitzer», warum das Thema?
Diese Ausstellung stammt aus Hamburg, wir haben sie nun erweitert. Glitzer ist ein faszinierendes Pop-Kulturelles Phänomen. Glitzer steht für Kleinmädchenträume, Bühnenauftritte, aber auch Protestaktionen, beispielsweise von Aktivistinnen der LGBT-Community. Es hat etwas Subversives, seine Gegner mit Glitzer zu bestreuen, denn man wird diesen ja kaum mehr los. Oder ganz einfach: Manchmal braucht es im Leben etwas Glamour!
Interview: Claudia Naef Binz
Open Doors 15./16. November
gewerbemuseum.ch
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