Beni Thurnheer
schreibt für die WIZE jede Woche eine Fussball-WM-Kolumne.
Von der Lokstadt zur Technologiestadt
Einst war Winterthur das Industrieherz der Schweiz. Sulzer-Maschinen machten die Stadt weltberühmt, Lokomotiven verliessen die Fabrikhallen in alle Welt. Heute schreibt Winterthur ein neues Kapitel: Aus der Industriestadt wird ein Technologie-Hub, der landesweit Aufmerksamkeit erregt.
Startup Nights bis Smart City: wie Winterthur zur Schweizer Technologie-Hauptstadt aufsteigt
Wenn Ende Oktober und Anfang November die Startup Nights in die Eulachhallen locken, wird eine Entwicklung sichtbar, die schon seit Jahren brodelt. Winterthur hat sich von der klassischen Fabrikstadt zu einem der dynamischsten Innovationsstandorte der Schweiz entwickelt. Der Technopark beherbergt zahlreiche Unternehmen, die Stadt fördert neue Smart-City-Projekte, und das ZHAW Digital Health Lab etabliert sich als wichtiger Forschungsstandort.
Das symbolträchtigste Beispiel für Winterthurs Wandel findet sich auf dem ehemaligen Sulzer-Areal. Dort, wo einst Dampfmaschinen und Gasturbinen gefertigt wurden, entstehen heute digitale Lösungen für die Probleme von morgen. Der Technopark Winterthur hat sich als zentraler Baustein des lokalen Innovations-Ökosystems etabliert.
Die flexibel mietbaren Räumlichkeiten, die Förderangebote und das lebendige Netzwerk ziehen regelmäßig neue Unternehmen an. Startups bleiben typischerweise mehrere Jahre im Park – genug Zeit, um zu reifen und zu wachsen.
Besonders beeindruckend sind die Erfolgsgeschichten, die hier entstehen. AirScale etwa hat eine elegante Lösung für ein alltägliches Problem in Krankenhäusern entwickelt: eine Betteinlage, mit der immobile Patienten direkt im Bett gewogen werden können. Weitere innovative Unternehmen wie Scewo mit ihren treppensteigenden Rollstühlen oder Designwerk mit bahnbrechenden Elektrolastwagen zeigen die Vielfalt des Winterthurer Technologiesektors.
Parallel dazu positioniert sich Winterthur als Smart-City-Vorreiter. Im Rahmen der Smart-City-Strategie 2030 werden bürgernahe Projekte umgesetzt, die Winterthur zu einem Reallabor für die Stadt der Zukunft machen. Spektakuläre Beispiele sind die stromgenerierende Strasse beim Innovationslabor Grüze oder das WinLab-Programm, bei dem Stadt, ZHAW und private Partner urbane Herausforderungen gemeinsam angehen.
Die Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) fungiert als wichtiger Innovationstreiber. Besonders das Digital Health Lab hat sich als Kompetenzzentrum etabliert und arbeitet an zukunftsweisenden Gesundheitstechnologien. Das jährlich stattfindende Digital Health Lab Day Event zieht Fachleute aus der ganzen Schweiz nach Winterthur. Die Forschungsprojekte reichen von KI-gestützten Diagnosetools bis zu innovativen Therapieansätzen. Die enge Zusammenarbeit zwischen Hochschule und Wirtschaft schafft dabei optimale Bedingungen für den Wissenstransfer. Auch in anderen Bereichen setzt die ZHAW Akzente: Die ZHAW Summer School für klimafitte Stadtentwicklung zeigt exemplarisch, wie Forschung und praktische Stadtplanung zusammenfinden.
Der Erfolg von Winterthurs Transformation basiert nicht zuletzt auf der soliden industriellen Infrastruktur. Moderne Produktionsbetriebe setzen zunehmend auf automatisierte Lösungen und energieeffiziente Technologien. Dabei spielen innovative Energiespeichersysteme eine zentrale Rolle:
Besonders in der Intralogistik stehen Betriebe vor der Herausforderung, ihre Flurförderzeuge effizienter zu gestalten. Moderne Lithium-Ionen-Batterien für Gabelstapler und Lagertechnik bieten hier deutliche Vorteile gegenüber herkömmlichen Blei-Säure-Akkus. Diese Entwicklung spiegelt sich auch in den Winterthurer Betrieben wider, die verstärkt auf nachhaltige und wartungsarme Energielösungen setzen.
Was Winterthur besonders auszeichnet, ist die enge Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Akteuren. Der Entrepreneur Club Winterthur, das Home of Innovation, die ZHAW, der Technopark und die Stadtverwaltung arbeiten Hand in Hand.
Diese Vernetzung zeigt sich konkret bei den Startup Nights, die mittlerweile zu den wichtigsten Entrepreneurship-Events der Schweiz zählen. Die Veranstaltung bringt Gründer, Investoren und etablierte Unternehmen zusammen und schafft neue Geschäftsmöglichkeiten.
Auch das kürzlich eingeführte ASCENT Startup Accelerator Programm des Technoparks unterstreicht den systematischen Ansatz. Junge Unternehmen erhalten nicht nur Räumlichkeiten, sondern auch gezieltes Mentoring und Zugang zu einem starken Netzwerk.
Der Erfolg von Winterthurs Transformation bleibt nicht unbemerkt. Beim Swiss Location Award wurde der Technopark wiederholt ausgezeichnet, und die Stadt erhielt den Smart City Hub Award in der Kategorie Innovation. Internationale Delegationen besuchen regelmäßig Winterthur, um sich über die erfolgreiche Transformation zu informieren. Die Stadt hat sich als Beispiel dafür etabliert, wie der Strukturwandel von der Industrie- zur Wissensgesellschaft gelingen kann.
Besonders beeindruckend ist die Vielfalt der Branchen: Von FinTech über HealthTech bis zu nachhaltigen Technologien – Winterthur bietet Raum für unterschiedlichste Innovationen. Diese Entwicklung spiegelt die nationale Strategie Digitale Schweiz wider, die das Ziel verfolgt, die Schweiz zu den digital wettbewerbsfähigsten und innovativsten Ländern Europas zu machen.
Winterthurs Weg zur Technologie-Hauptstadt hat gerade erst begonnen. Die Voraussetzungen sind mit einer starken industriellen Basis, exzellenten Hochschulen, einem lebendigen Startup-Ökosystem und einer innovationsfördernden Stadtverwaltung optimal. Darauf aufbauend sind die Pläne ambitioniert: Smart-City-Initiativen, der Ausbau des Digital Health Clusters und die Stärkung der Startup-Infrastruktur stehen auf der Agenda. Der Wandel von Sulzer zu den Startup Nights beweist, wie Winterthur Tradition und Innovation erfolgreich verbindet, um seine digitale Zukunft zu gestalten – eine Zukunft, die bereits begonnen hat. pd
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